Was für ein Wunderwerk das Leben doch ist, geht es im durch den Kopf, als er sich seine Vergangenheit ins Gedächtnis rief und die einzelnen Etappen seines ereignisreichen Lebens lebhaft und bildgetreu vorstellte. Je mehr und mehr er reflektierte und ihm weitere Details in den Sinn kamen, erinnerte er sich an einen Traum, den er einmal als Jugendlicher träumte, während seiner Studentenjahre, in denen er sich intensiv mit Mythologie und Phantasieromanen die Zeit vertrieb, in der er keine Vorlesungen oder Prüfungsvorbereitungen hatte.
Es war eine Zeit, in der er die Gefahr, einen falschen, der Gesellschaft unliebsamen Gedanken zu erleben und daher wichtige Ideen im Verborgenen liegen zu lassen, nicht kannte und mit einer absoluten Nonchalance in die Zukunft blickte. Das freie Leben war nach seinem Geschmack, und er liebte es, die Tage in Reflexion und gedanklicher Freiheit vor sich hinüberziehen zu lassen, ohne das er einer zu starken körperlichen Belastung ausgesetzt wurde.
Er stellte sich lebhaft und ohne große Einschränkungen vor, in einem Universum zu leben, das nach seinen Regeln lief, und das jeder Stern, der am Himmel leuchtet, dies nur für ihn und seine ausschweifende Phantasie da wäre. Vielleicht war das auch der einzige Punkt, in dem er nicht irrte. Denn wie kann man das Licht und das Dunkel der Welt schon durch das Auge und die Wahrnehmung einer anderen Person erkennen? Sie kann einem noch so nahe stehen, sie wird eben immer mittelbar bleiben, sowie unsere Vorstellung vom eigenen Ich stets das einzig unmittelbare ist.
Doch plötzlich, als er so vor sich hin sinnierte und der Nebel seiner Gedankenwelt sich etwas lichtete, sah er plötzlich einen Zug auftauchen, der sich in Richtung einer Welt bewegte, in der alle Sagen und Legenden von Göttern besungen wurden, deren Echo weit über das Firmament der Unendlichkeit zu hören war.
Ihr Gesang strahlte eine Leidenschaft aus, die jeden sofort in den Bann zog, der auch nur ein winziges Gespür für die Lust an Abenteuern und aufregenden Zeiten in seiner Gefühlswelt inne hatte.
Als plötzlich dieser Zug vor ihm auftauchte, stieg seine Ungeduld ins Unermessliche, endlich die Möglichkeit ergreifen zu können, diese gesangesfreudigen Götter in voller Gestalt zu erleben, so dass er sich sofort in das erste Abteil des vorderen Waggons begab, als der Zug kurz am Bahnhof seiner Studentenstadt stehen blieb. Aufgeregt rutschte er auf seinem Sitz hin un her, denn er konnte es kaum erwarten, dass der Zug nun endlich dort ankam, wo die Götter in den verschiedensten Gestalten der Musik ihre Ergebenheit darboten.
Obgleich es ihm in den Sinn kam, dass an diesem magischen Ort auch seine geliebte Prinzessin verweilen und auf seine Ankunft hoffen würde, kam der mutmaßliche Anblick der Götter, die er über alle Maßen hinweg verehrte, seiner Vorstellung nicht mehr aus dem Sinn.
Er malte sich die anmutigsten Gestalten aus, die seine Einbildungskraft hervorbrachten, wenn er an die Welt der Götter dachte und die nur für ihn sangen, wenn sie sich um sein unteilbares Ego versammelten, damit nur er in den höchsten Genuss einer noch nie da gewesenen musikalischen Welt kommen wird. Denn er wusste, dass schließlich der einzig wahre Gott, bei noch so unterwürfiger Verehrung, doch auch nur das eigene unmittelbare Selbst ist.
